| Eminem
Marshall
Mathers, auch bekannt als Eminem - kein anderer im Show Business ist so
umstritten wie er. Die Kluft zwischen den Kritikern und den Befürwortern
ist groß, und die Verleihung von drei Grammy-Awards hat die Aggressionen
weiter geschürt. Tierschützer, Frauenbewegungen, Schwulengruppen
und Pazifisten laufen Sturm gegen einen auf den ersten Blick kriminellen,
bösen, außer Kontrolle geratenen Irren, welcher vor Intoleranz
fast überläuft. Er erzählt, wie er seine Freundin umgebracht
hat, bezeichnet seine Mutter als eine Hure, und benimmt sich auch sonst
ganz unschicklich. Nicht umsonst steht er im Moment wegen Körper-verletzung
vor Gericht. Fünf Jahre Haft drohen ihm. Für viele Grund genug,
ihn als gefährlich einzustufen.
Doch
es steckt weitaus mehr hinter dieser Person, als man denken mag. Anlässlich
der Grammy-Verleihung haben sich Prominente wie Madonna und Elton John
zu Eminem geäußert. Ihre Statements reflektieren jedoch nicht
das oberflächliche Image des 34jährigen Detroiters, welches viele
haben - Sie sind vielmehr der Meinung, daß er ein begnadetes Genie
ist. Er zeigt uns genau das, was in der Gesellschaft vorgeht.
Was
steckt also sonst hinter den Texten, wenn nicht Prollerei, Intoleranz und
konsequente Verachtung?
Eminem
ist ein Storyteller. Seine Texte sind mehr als nur stupides Dahergerede,
es sind vielmehr Geschichten aus dem alltäglichen Leben. Dabei sind
diese Geschichten nicht von ihm selbst erlebt worden, sondern von imaginären
Personen. Die Einstellung, die diese rüberbringen, ist dabei nicht
seine persönliche. Er will Personen darstellen, die im alltäglichen
Leben vorkommen und ihn aufregen oder einfach nur bewegen. Und dabei handelt
es sich nunmal um Personen wie Slim Shady oder Stan.
Nur
wenige haben es tatsächlich erkannt und wissen, was hinter dieser
berüchtigten Person steckt. Und nicht umsonst hat der sonst doch eher
sehr beschäftigte Dr Dre den zuvor recht erfolglosen Eminem unter
Vertrag genommen. Es sind halt noch nicht viele hinter das Klischee gekommen
und haben versucht, zu verstehen, worum es wirklich geht.
Viele
Eltern regen sich darüber auf, daß Eminem den Jugendlichen das
Gefühl vermittle, daß Gewalt und Kriminalität das einzige
Mittel sind, was heutzutage noch zu etwas führt. Dabei ist es wieder
so, daß Eminem erst den Leuten klarmacht, wer sie überhaupt
sind. Daß man es nicht ernst nehmen kann, wenn er sagt „You ain't
nothin' but a slut to me. You don't wanna fuck with Shady (why not?), Cause
Shady will fuckin' kill you”, sieht man am Track „Kill You“ - Letztendlich
gesteht er ein „Ha ha ha. I'm just playin', ladies. You know I love you.“.
Die amerikanischen und zunehmend auch deutschen Behörden haben es
nach wie vor nicht verstanden und zensieren fleißig jedes „fuck“
oder „shit“ raus. Lückentext leichtgemacht. Letztendlich läuft
es auf das gleiche Problem heraus, welches Elvis, die Beatles und die Sex
Pistols auch hatten - nämlich Mißverständnis der Älteren,
die meinen, sich über alles ein Urteil erlauben zu können. Some
things will never change...
Roman
Cieslik
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