| Filmkritik:
Das Experiment
„...ich
habe Tag und Nacht unseren Planeten vor Augen, dessen Bevölkerungszahl
sich in den nächsten 30 Jahren verdoppelt haben wird. Wie sollen diese
Menschen in Frieden auf engsten Raum leben, wenn wir heute nicht ihr Agressionsverhalten
erforschen?“ (Prof. Dr. Thon)
Man
mag von deutschen Filmen halten, was man will, aber „Das Experiment“ trifft
den Zuschauer mit voller Wucht und setzt mögliche Vergleichspunkte
mit amerikanischen Produktionen außer Kraft. Oliver Hirschbiegel
nutzte als Vorlage für sein Kinodebut ein Experiment aus dem Jahre
1971 an der Stanfort-Universität, welches ebenfalls nach 6 Tagen abgebrochen
wurde. Es ist ein atemberaubender Psychothriller, der die Triebfedern von
Gewalt und Soziologie offenlegt.
Trotz
einiger Anlaufschwächen der Darsteller, welche bis auf Moritz Bleibtreu
weitestgehend unbekannte Schauspieler sind, entwickelt sich für den
Zuschauer ein Schauspiel, der die sichere Entfernung zur Fiktion überbrückt
und den Kino-Besucher diesen Film „miterleben“ läßt.
Die
Tatsache das es sich bei der Besetzung der Rollen um größtenteils
„unverbrauchte“ Gesichter handelt, birgt zudem noch einen Vorteil. Die
Glaubwürdigkeit der Figurenentwicklung wird nicht durch bereits bekannte
„Stars“ aufgehoben. Vielleicht bekommt man auch aus diesem Grund schnell
den Eindruck, das nicht „gespielt“ wird, sondern die Darsteller vielmehr
in ihre Identität hineinwachsen.
Unterstützt
wird der Ausdruck dieses Filmes durch die Kameraarbeit und den wirkungsvollen
Einsatz des Lichtes.
Nach
geraumer Zeit bemerkt man an sich, welche unterschwellige Wirkung die Bilder
von Autoritätshörigkeit und Realitätsverlust - sadistischen
Machtgelüsten und Minderwertigkeitspsychen auf einen haben.
War
zum Beispiel „Fight Club“ einer der letztjährigen Filme, der
die Thematik am besten angeschnitten hat, so ist „Das Experiment“ voll
auf dem Punkt des nächsten Levels. Ebenso kann der Film „Green
Mile“ keine so realistische Direktheit der Psyche übermitteln.
Die
stärke dieses Filmes ist nicht die typische Action-Dramarturgie und
das Benutzen von Klischees, sondern das Vermitteln von beängstigender
Realität.
Die
traumhaft romantischen Szenen einer Liebesgeschichte zwischen Tarek (M.Bleibtreu)
und seiner Filmpartnerin Maren Eggert, stärken die Kontraste von Grausamkeit
kontra Hoffnung und Liebe so, daß „Das Experiment“ eine noch intensivere
Dynamik bekommt. Es ist einer der einschneidensten und extremsten Psychothriller
der letzten Jahre... zwei Stunden, die einen noch einige Tage/Wochen beschäftigen.
Roman
Cieslik, Henry Dramsch
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