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| Medienkompetenz-
bitter nötig?
Medienkompetenz geht als Schlagwort durch die Medien und Politik. Die rasante Entwicklung der Technik und der neuen Medien überfordert viele, denn zum korrekten Umgang mit ihnen gehört viel Wissen. Doch nicht nur hier, auch sogenannte „herkömmliche Medien“ stellen eine Gefahr dar, wenn weiterhin Manipulation durch sie betrieben wird, sie zur politischen Meinungsmache benutzt werden und ihre Stellung als „vierte Macht im Staat“ weiterhin behaupten. Gerade Jugendliche können heute weniger denn je zwischen fiktionalen und nonfiktionalen Fernseh- und Videobeiträgen unterscheiden. Die Grenze zwischen Realität und Schein wird vor dem Bildschirm verwischt, und so passiert es, daß Kinder mit Gewehren und Messern auf ihre Mitschüler losgehen, und es damit begründen, es im Fernsehen gesehen zu haben. Wenn so etwas passiert, wird aus dem Problem der nicht vorhandenen Kompetenz, mit Medien und ihren Aussagen umzugehen, eine gesellschaftliche Verantwortung, vor der sich immer noch gedrückt wird. Sicher spielt hier die ökonomische Seite eine nicht unbedeutende Rolle. Klar lassen sich brutale Computerspiele und blutrünstige Mörderfilme besser verkaufen als Bildungsfernsehen, und einer Bildzeitung mit einer Auflage von über 4 Millionen pro Tag kann man auch nicht so ohne weiteres ihr Konzept verbieten. Fragt sich nur, ob sich hier das Angebot an der Nachfrage orientiert oder ob die Medien dem Menschen bereits sein Bedürfnis nach Oberflächlichkeiten und Voyerismus suggeriert hat. Jedoch wie kann man Medienkompetenz fördern, wie dieses hochkarätige Ziel der Aufklärung über Medien und ihren Strukturen in die Tat umsetzen. Bildungspolitiker beruhigen ihr Gewissen dadurch, indem sie Projekte wie „Schule ans Netz“ und „Schule macht Zeitung“ (Journalisten gehen an Schulen und machen mit den SchülerInnnen Zeitung) ins Leben rufen. Doch das kann es nicht sein. Die SchülerInnen und Jugendliche müssen die Möglichkeit haben, kritisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung bilden – das ist durch befangene Journalisten als Lehrer nicht möglich. Vielmehr sollten Pädagogen und Jugendmedienmacher der Aufbau und die Herstellung von Medien, die Medienmacht der großen Medienkonzerne, der Journalistenberuf etc. dargestellt werden und Diskussionen um politische Meinungsmache versus Objektivität, Meinung bei der Artikelerstellung, Medienmacht in Diktaturen etc. angestoßen werden. Medienkompetenz
soll bedeuten, daß Jugendliche durch Informationen und eigene Erfahrungen
im Umgang mit Medien in die Möglichkeit versetzt werden, Medienprodukte
kritisch zu hinterfragen, Objektivität in Frage stellen und sich dadurch
aus der sogenannten „Wahrheit“ eine Meinung bilden. Um dies zu erreichen,
sollten die Deutsche Jugendpresse und alle Jugendmedienmacher jetzt Gespräche
suchen. Jetzt, wo noch Veränderungen zugunsten Jugendlicher möglich
sind, wo unsere Stimme noch beachtet wird.
Björn
Richter
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