Skater in Greifswald
Die Stadt sollte nicht erwarten, dass die Jungs ihr Brett in die Ecke stellen und aufhören.
 

„Ey, mach mal nen Olli!“ -
„Oh nö, is‘ doch langweilig. Ich mach lieber einen 360° Flip!

Hä? Wenn ich sowas höre, muss ich doch mal ein wenig nachhaken! Mit Erdnussflips bewaffnet, wage ich mich auf das Gelände, wo die sonderbaren Formeln herkommen. Wer da diese Wörter benutzt, sind – Skateboarder! Jeder hat sie schon gesehen, aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich genau genommen nichts über sie.
Auf dem Schulhof der Arndtschule herrscht eine lockere Stimmung und mit dreien der Skater komme ich ins Gespräch. Sie erzählen mir, dass sie unterschiedlich lange(2-3 Jahre) dabei sind. Darauf gekommen sind sie durch Freunde oder zufällig angeschaute Videos. Diesen neu gefundenen Lebensinhalt, wie sie es selber ausdrücken, und diese Individualität möchten sie nicht mehr missen.

Allerdings haben sie es sehr schwer in Greifswald. Einen richtig guten Park für sie gibt es hier nicht. Und an einem x-beliebigen Ort können sie auch nicht fahren, weil sie eben „Spots“ brauchen. Das heißt Bänke, Geländer, Stufen, Blöcke etc. Und wenn die Stadt meint, sie müsse ihr Geld für eine Fußballfeldrasenheizung ausgeben, soll sie das bitte schön tun, aber sie kann nicht erwarten dass diese Jungs ihr Brett in die Ecke stellen und aufhören. Sie haben es überall versucht: Der „harte Kern“ aus zehn Mann (sonst sind es um die 40) hat eine Halle mit allem ausgestattet, was sie brauchten. Dieses Unternehmen lag zwar etwas in der Grauzone, aber eigentlich hat sich niemand daran gestört. Bloß kamen irgendwann solche Typen, die etwas zuviel Drogen konsumiert haben – und die Halle wurde verboten. Die Variante - Vorplatz des Biotechnikums- ebenso. Tja, man kann sich zwar aushelfen, am Wochenende nach Stralsund, Rostock, Neubrandenburg oder Schwerin fahren, aber das kostet Geld und ist auch sehr unpraktisch. Die Eltern unterstützen sie, teils auch finanziell, aber es wäre wirklich kein großer Aufwand und auch sinnvoll, eine Möglichkeit für die Skater in Greifswald zu schaffen. Geblieben ist ein Schulhof, nicht gerade toll aber immerhin. Da haben Unterschriftenaktionen beim Stadtrat nichts genutzt. „Jede dritte Kuhbläke hat einen Skaterpark – nur Greifswald nicht!“
„Und dann diese ganzen Möchtegern-skater“, erzählen sie mir weiter, „die kaufen sich ein Board, rubbeln‘s an irgend so einer Kante ab und machen einen auf dicke Hose. Überhaupt, dieser Kram, der jetzt zum neuen Trend wird: hat man ‘ne Baggy an, ist man gleich wieder ein ,Hiphopper .“ Klar, es kommt hier keiner mit knallengen Schlaghosen und Plateauschuhen, aber einen gewissen Stil, der zum Sport und zu ihnen passt, hat jeder und das ist gut so, zum Einheitsbrei will hier keiner gehören. Trotzdem wird ein gut ausgestatteter Skatershop gebraucht. Noch läuft alles über Kataloge und ähnliches. In diesem Bereich steckt der Sport einfach mehr oder weniger in den Kinderschuhen. Und sie sagen selber, dass es einfach total viele Vorurteile gibt. Aber sie machen ihr Ding und werden es auch immer weiter versuchen, dass sie irgendwann ihre Flips, Ollis und alle anderen Verrenkungen weiter in Greifswald und hoffentlich besser akzeptiert machen können.
Aus meinem „Hä?“ ist ein „Aha!“ geworden. Und das soll nun auch mein Schlusswort sein.
Also Jungs: Skate on, keep on skating!

Luisa Meisel

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