Filmtipp:
Resident Evil
Quer
traf den Executive Producer Robert Kulzer und führte mit ihm ein Interview
Quer:
Wie ist die Idee zu Resident Evil entstanden?
Robert
Kulzer: Eigentlich basiert der Film auf einem Computerspiel. Nach dem
ersten Teil hatten wir bereits beschlossen, einen Film zu produzieren.
Dann kamen auch sehr bald der zweite und dritte Teil des Spiels raus,
die recht erfolgreich waren. Ich habe mich dann mit Paul Anderson unterhalten,
der nachher dann die Regie geführt hat. Wir hatten die Idee, einen
Film zu drehen, der die verschiedenen Ideen der Spiele etabliert. Dann
mussten wir einen Hauptcharakter erfinden, der in keinem der Spiele vorkam.
Das war in diesem Fall die Milla Jovovich, die am Anfang des Films aus
einem Alptraum aufwacht und das Gedächtnis verloren hat. Mit der
Zeit erhält sie bestimmte Erinnerungen wieder zurück und kann
sich das Gedächtnis wieder zusammensetzen.
Quer:
Es sind in letzter Zeit sehr viele Verfilmungen von Computerspielen erschienen
- und gefloppt. Ist es da nicht ein gewisses Risiko?
Robert
Kulzer: Ja, stimmt, viele Computerspiele waren auf der Leinwand nicht
erfolgreich. Wir haben uns natürlich damit befasst. Hier in den USA
wird der Film erst für Jugendliche ab 17 Jahren ohne Begleitung der
Eltern erscheinen. In Deutschland darf man ab 16 rein. Damit war das Publikum
automatisch beschränkt. Da wir bereits vorher den Stoff des Films
einigen Leuten vorgestellt und verkauft hatten und diese ihn gut fanden,
wussten wir, daß da ein Markt für den Film vorhanden ist. Das
Budget für den Film liegt bei 35 Millionen Dollar, was für Hollywood
eigentlich ein Low-Budget-Film ist. Trotzdem meinten viele, daß
sie den Stoff gut fänden und mitmachen wollten. Letztendlich ist
der aktuelle Markt sehr gut überschaubar, und wir rechnen durchaus
damit, daß Resident Evil erfolgreich sein wird.
Quer:
Wie schwierig ist es, auf Basis eines Spiels einen Film zu entwickeln?
Robert
Kulzer: Beim Buch hatten wir wahnsinnige Probleme, wir hatten viele namhafte
Autoren angeheuert - unter anderem auch George Romero, der das Spiel maßgeblich
beeinflusst hatte. Wir dachten, es wäre das beste, wenn wir das den
Meister selbst machen lassen. Aber irgendwie hatte er nicht
das richtige Know-how, um in Zeiten von Matrix zu bestehen.
Quer:
Wenn ihr einen Film produziert, der auf einem Spiel beruht, gibt es dann
nicht einen ungeheuren Erfolgsdruck von Seiten der alteingesessenen Spieler?
Robert
Kulzer: Wir bei Constantin Film haben schon immer gerne Filme gemacht,
wo irgendwo eine Vorlage da war, sei es Literatur- oder halt Videospielverfilmungen.
Wenn man da schon eine Figur hat, die bekannt ist, dann hat man schon
das Gefühl, was das für ein Film werden soll. Und ein interessiertes
Kernpublikum wird dann auch existieren. Wenn aber am Ende dann nur die
Leute in den Film gehen, die das Spiel kennen, dann wird der Film sicherlich
nicht so erfolgreich sein. Der Film muss darüber hinaus aber auch
eine gewisse Resonanz finden. Insofern muss man zwar einerseits die Spieler
befriedigen und ihnen was zeigen, was sie so noch nicht gesehen haben,
aber auch die Nichtspieler müssen sich für den Film interessieren.
Quer:
Schreckt es die Nicht-Spieler ab, in einen Film zu gehen,
der auf einem basiert?
Robert
Kulzer: Wir haben in der Werbung für den Film hier in den USA verschwiegen,
daß es sich um eine Playstation-Spiel-Verfilmung handelt. Sonst
würden viele Leute abgeschreckt werden, weil sie denken, daß
sie den Film nicht verstehen - nur weil sie das Spiel nicht kennen! Wir
werden also den Titel Resident Evil bewerben. Die Leute, die
das Spiel kennen, wissen dann sowieso schon bescheid. Und die, die nicht
das Spiel kennen, kennen den Film aus den Trailern.
Wir wussten, daß der Film in Japan sehr gut laufen würde, weil
das Spiel dort herkommt. In Deutschland kontrollieren wir den Markt, daher
rechnen wir dort auch mit Erfolg.
Quer:
Wo habt ihr denn eigentlich gedreht? Schließlich hat euch das Spiel
ja gewisse Vorgaben mitgegeben.
Robert
Kulzer: Wir haben zu 99% in Berlin gedreht. Es gibt ja eine starke Vorgabe
in dem Spiel. Es wird suggeriert, daß das alles in den USA spielt
- aber diese Landschaften lassen sich hier gar nicht finden. Wir haben
überall in der Welt gesucht. Wir mussten feststellen, daß die
Macher des Spiels aus Japan die Szenerien sehr avantgardistisch gestaltet
haben. Es ist alles clean, sauber und extrem designed. Und wenn man dann
mal in verschiedene Städte geht, dann merkt man, daß das alles
dreckig und alt aussieht. Die Möglichkeit, an Originalschauplätzen
zu drehen, war damit gar nicht mehr gegeben.
Als ich dann aber in Berlin war, habe ich mitbekommen, daß dort
eine enorme Architektur am Entstehen ist. Es ist alles sehr neu und futuristisch,
die besten Architekten der Welt hatten freien Lauf. Das sah teilweise
sehr danach aus, als wenn es direkt aus Resident Evil rausgekommen wäre.
Der größte Set des Films ist der neue U-Bahnhof unter dem Reichstag.
Das hat auch eine gewisse Ironie, weil wir einen Film über Zombies
drehen. Der Drehort hatte den weiteren Vorteil, daß da schon viele
Millionen in Ausstattung investiert wurden. Der Bahnhof sieht sogar fast
identisch aus wie eine Szene in einer Train-Station im Spiel. Da mussten
wir nur noch einen Zug einbauen und neue Gleise verlegen.
Fast alle Innenaufnahmen haben wir in den Fernsehstudios Adlershof gedreht,
wo wir eigentlich die ersten waren, die dort einen Spielfilm drehten und
alle Hallen belegten. Drei Monate hatten wir dort irrsinnige Dinge aufgebaut.
Quer:
Wie lange hat die Produktion des Films gedauert?
Robert
Kulzer: Wir haben uns erst mal auf die Suche nach Drehbüchern und
Regisseuren gemacht. Das hat rund zwei Jahre in Anspruch genommen. Die
Arbeit am Film als solches mit Paul Anderson hat dann noch mal zwei Jahre
verschlungen. Die Nachbereitung allein hat ja schon neun Monate gedauert.
Insgesamt also vier Jahre.
Quer:
Was hast du eigentlich bisher gemacht?
Robert
Kulzer: Ich bin eigentlich schon seit Ewigkeiten bei Constantin Film.
Davor war ich bei der Filmhochschule und wollte wie fast alle Regisseur
werden. Aber irgendwie fand ich das Schreiben von Drehbüchern und
das Produzieren dann wesentlich interessanter. Um Geld zu verdienen, habe
ich dann für die Constantin viele Lektorate geschrieben. Dadurch
hatte ich Zugang zu Tausenden von Drehbüchern. Da lernte ich schon,
welche Agenturen und Autoren gut sind.
Bei der Constantin in Deutschland war ich dann anfangs für den Verleih
zuständig, habe also neue Filme eingekauft. Dann hatte ich die Idee
zum Film Manta, Manta, der ganz erfolgreich war. Das war mein
erster Schritt in Richtung Produktion.
Dann hat mir Bernd Eichinger angeboten, nach Amerika zu kommen und die
Firma dort zu leiten. Dort haben wir dann für den deutschen Verleih
gekauft, aber auch geschaut, ob wir irgendwo im größeren Rahmen
einsteigen können. So haben wir beispielsweise Cube,
Der mit dem Wolf tanzt und Sieben Jahre in Tibet
für Deutschland gekauft. Das Geisterhaus beispielsweise
lag bei Warner Brothers, lief aber irgendwie nicht richtig an. Dann haben
wir den Film bei denen rausgeholt, weil wir wussten, daß er in Europa
Erfolg haben würde. Das war dann mein erstes größeres
Projekt. Sehr stark involviert war ich auch bei Fräulein Smillas
Gespür für Schnee, Leslie Nielsen ist sehr verdächtig
- und jetzt halt Resident Evil.
Quer:
Du warst Executive Producer bei Resident Evil - was genau macht man da?
Robert
Kulzer: Das ist nicht so genau definiert. Man versucht halt, einen Film
auf die Reihe zu bekommen. Die Verfilmungsrechte haben uns allein gehört
und haben gerade mal eine Million Dollar gekostet. Dann musste ich jemanden
finden, der das finanziert. Auch mussten wir jemanden finden, der den
kreativen Bereich macht, und von dem wir glaubten, daß er den Film
machen könnte. Das war dann Paul Anderson, den ich seit 12 Jahren
kenne. Sein letzter Film Soldier war ein Riesen-Flop, aber
für das Drehbuch und die Regie für Resident Evil war er super
geeignet.
Ich habe eigentlich jeden Tag am Drehort verbracht, und auch beim Nachbereiten
war ich zur Stelle. Ich war sehr stark eingebunden in diesen Film, es
ist sozusagen mein Baby. In den USA gibt es sieben Studios, und wenn die
einen nicht haben wollen, dann hat man Pech gehabt. Zum Anfang hatten
wir nur Absagen, und dann mussten wir schauen, wo wir den Film denn nun
unterbringt. Wir sind nun bei Sony in Amerika, und die sind sehr happy
mit Resident Evil. Wenn ich jetzt hier durch Los Angeles fahre und überall
auf den Billboards die Werbung für unseren Film sehe, macht mich
das schon sehr glücklich.
Quer:
Ist der Film jetzt eigentlich amerikanisch oder deutsch?
Robert Kulzer: Es ist ein sehr besonderer Film. Es sind nicht wirklich
viele Amerikaner dabei. Unser Team bestand aus sehr vielen Engländern
und Deutschen. Wir hatten einen englischen Kameramann und einen amerikanischen
Komponisten. Milla Jovovich ist ursprünglich aus Russland, und Michelle
Rodriguez aus Puerto Rico. Wir haben versucht, einen internationalen Film
zu machen. Vom Ursprung her ist der Film aber deutsch, weil wir das Geld
und die Rechte hatten und er auch hier produziert wurde. Rein rechtlich
ist es ein deutscher Film mit einem englischen Partner.
Quer:
Vielen Dank für das Interview!
Robert Kulzer: Keine Ursache.
Das
Interview führte Roman Cieslik
Kontakt:
roman@quer-format.com
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