Jüdisches
Museum Berlin
Zwei
Jahrtausende Deutsch-Jüdische Geschichte
"Es
war ein langer Weg. Es sind fast 63 Jahre vergangen, seit die Gestapo das
Jüdische Museum in der Oranienburger Straße schloss und die Bestände
konfiszierte. Es sind über 56 Jahre vergangen, seit der Zweite Weltkrieg
beendet wurde. Es sind 26 Jahre vergangen, seit die Gesellschaft für
ein Jüdisches Museum in Berlin gegründet wurde. Es sind 12 Jahre
vergangen, seit Daniel Libeskind mit seinem wunderbaren Entwurf den Architekturwettbewerb
für einen Erweiterungsbau des damaligen Berlin Museums gewann. Doch
nun ist es bald soweit: Das Jüdische Museum Berlin eröffnet mit
tagelangen Feierlichkeiten und in Anwesenheit des Herrn Bundespräsidenten
und des Herrn Bundeskanzlers. Es wird ein historischer Moment sein. Und
hoffentlich auch ein erfreulicher."
W.
Michael Blumenthal, Direktor des Museums im Juni 2001
Wie
auf einem Flughafen muss man seine Tasche auf ein Förderband legen,
seine Jacke ausziehen und alle metallischen Gegenstände in einen
kleinen Korb legen; natürlich wird man auch noch abgetastet. Die
Sicherheitsvorkehrungen sind in diesem Gebäude sehr streng, aber
es ist auch nicht irgendein Gebäude. Es ist das Jüdische Museum
in Berlin.
Dieses riesige, abstrakte Museum, welches im September letzten Jahres
öffnete, ist beeindruckend, imposant, verwirrend, anstrengend und
sehr interessant. Schon der Bau ist ungewöhnlich, den Grundriss betrachtend
weckt dieser Assoziationen an einen Riss oder Blitz. Die eiserne Fassade
enthält keine normalen Fenster, jene wirken eher wie Spalten oder
Schießscharten. Diese architektonische Leistung stammt von Daniel
Libeskind, internationaler Architekt und Stadtplaner. Dieser, 1946 in
Polen geboren und seit 1965 Staatsbürger der USA, arbeitet seit 1990
in Berlin, da er 1989 den Wettbewerb für das Berlin Museum mit dem
Jüdischen Museum gewonnen hat.
Die Ausstellung enthält 2000 Jahre deutsch jüdische Geschichte
in chronologischer Abfolge auf 3000 m². Der Besucher wird, intellektuell
und emotional, aktiv in die historische Darstellung mit einbezogen. Dies
geschieht auf unterschiedliche Arten. Einerseits steht die Ausstellung
im Wechselspiel mit der Architektur, so wird die Enge der Gassen in mittelalterlichen
Städten durch die Enge der Architektur verdeutlicht, ebenso werden
die Anstrengungen der schweren Zeiten durch tatsächliche Steigungen
verstärkt dargestellt. Weiterhin hat der Besucher die Möglichkeit
das vielfältige Medienangebot zu nutzen, z.B. Hörstationen,
Filmclips und Computerarbeitsplätze, um sich weiter zu informieren.
Neben den multimedialen Elementen bieten viele persönliche Erinnerungsstücke
den Besuchern gute Identifikations möglichkeiten, denn die
Erinnerung an die vielen unbekannten Schicksale liegt den Veranstaltern
am Herzen.
Es ist unmöglich die Fülle und Komplexität der Ausstellung
durch einen einzigen Besuch zu erfassen. Aber das ist auch nicht das Ziel
des Museums. Es ist ein Gedenk und Informationsort, welcher zum
Nachdenken und zur Wissensauffrischung anregen soll. Eindrucksvoll wird
dies durch die wirkungsvollsten architektonischen Elemente im Erdgeschoss
durch die 3 sich schneidenden Gänge erreicht - die 3 Achsen. Die
Achse der Kontinuität soll die Beständigkeit der jüdischen
Geschichte darstellen, diese endet mit der langen und steilen Treppe der
Kontinuität , welche zur Ausstellung führt. Die Achse des Exils
führt in den Garten des Exils, welcher zum Nachdenken über die
Vergänglichkeit aller Dinge anregen soll. Die dritte Achse ist die
Achse des Holocausts, an eine Wand sind fortlaufend die Namen aller Konzentrationslager
geschrieben , diese Achse endet im Holocaustturm.
Ich
schritt in diesen Turm hinein, die Tür fiel hinter mir zu , plötzlich
war es stockduster und kalt. Nach einiger Zeit erkannte ich die etwa 15
Meter hohen Betonmauern, die mich umgaben und langsam nahm ich auch die
Silhouetten anderer Besucher wahr. Da der Holocaustturm nicht überdacht
ist, erklärten sich schnell die Dunkelheit und Kälte. Noch ein
paar Minuten vorher hatte ich mir die Informationstafeln über die
Judenverfolgung z.Z. des dritten Reiches durchgelesen und
nun stand ich in diesem kalten, dunklen, beklemmenden Turm. Dieser Turm
erfüllt, wie die gesamte Ausstellung, seine Funktion. Still stand
ich da und dachte nach. Über diese seit Jahrtausenden unter uns existierende
Kultur, von Nicht-Juden wenig verstanden und von denselbigen immer wieder
vertrieben und vernichtet. Warum ?
Sabine
Otto
Kontakt:
sabine@quer-format.com
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