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Telefonzellen Jedenfalls für mich. Ich komme nur sehr selten in die Verlegenheit eine aufzusuchen, aber manchmal passiert es eben doch und das zu den unpassendsten Momenten. Vielleicht sollte ich noch schnell vorneweg sagen, dass ich ein handyloser Mensch bin. Egal. Jedenfalls musste ich unbedingt zum Hörer greifen und suchte einen von diesen unbequemen Kästen. Eigentlich sind sie ja gelb aber mir ist es schon ein-, zweimal passiert dass sie rosa waren. Hypnotisierendes Rosa, von dem man sich nur noch mit einem Schreikrampf abwenden kann. Das ist allerdings weniger schlimm, vielleicht soll diese Farbe zellenabschreckend wirken, um einen zum Handykauf zu zwingen?! Eine böse Absicht, eine Taktik? Ich suchte also ein Telefon, fand auch eins und zwängte mich hinein. Erster Blick: An die Decke. Wer weiß, vielleicht stehen Spinnen auf rosa/gelb. Es ist keine zu sehen. Ich komme meinem Telefonat näher. Erster Gedanke: Heiß! Also heißt es ablegen: Rucksack, Sportbeutel, Schal, Mütze, Mantel, Pullover. Wenn das in einer Gummizelle wie dieser kein sportlicher Akt ist! Allerdings bin ich dadurch nur noch mehr ins Schwitzen geraten. Okay denk ich mir: Positiv denken! Sauna inklusive. Der pure Luxus. Eigentlich. Meine ausgepellten Klamotten werden erstmal auf die Telefonbücher gestapelt. Wo war jetzt das Portemonnaie? Im Mantel. Das war klar. Also nochmal alles runter. Taschen durchwühlen. Gefunden. Sachen wieder rauf. Los gehts: Damit es schneller geht, stopfe ich gleich einen Euro in den Schlitz. Och nö! Jetzt hab ich mich auch noch verwählt. Hörer einhängen. Einen Euro verplempert. Und wie war jetzt die richtige Nummer? Sachen runter, G wie Greifswald suchen. Überraschung! Genau die Greifswalder Seiten sind rausgerissen. Jetzt reichts. Ich greife zum Hörer, stecke Geld in den Schlitz und ruf die Auskunft an. Ich hänge für ein paar Sekunden in der Warteschleife und mein Geld verschwindet so für nichts! Gerade als eine säuselnde Stimme Guten Tag sagt macht es kurz piep und ich mache zum zweiten Mal die Telefonzelle reicher. Ich gebe mich geschlagen. Der nächste Schweißausbruch bahnt sich an, eine ältere Frau klopft an die Scheibe und versucht etwas in meinen Schwitzkasten zu brüllen. Gut. Dann eben nicht. Das Telefon hat gewonnen. Ich werde mir ein Handy anschaffen und vielleicht auch über dem verzweifeln, aber an einem Handy kann man wenigstens seine Wut auslassen. Luisa Meisel Kontakt: info@quer-format.com |